
Die jährliche Hubertenjagd in Falkenstein bot am ersten Adventswochenende eine vielfältige Palette: Von unbequemen Weinen über eine weidgerechte Jagd mit ansehnlicher Strecke bis hin zu neuen Traditionen.
Ein Teil der Huberten trat bereits am Freitag in Gummistiefeln in Falkenstein bei Poysdorf an, weil sie direkt von einem Abstauber am Rande Wiens angerückt waren. Dort erwartete sie eine Vorhut, von in jagdlich feinem Zwirn gekleideten Bundesbrüdern, bereits im Hof der Pension von Bbr. Jagdleiter. Nur wenig später erklommen die Bundesbrüder bereits die Ruine Falkenstein, um die Jubiläumsscheibe “10 Jahre Bude St. Hubertus” zu beschießen.
Zurück in der Ortschaft kehrten die Huberten im Schmankerl-Heurigen des Bio-Weinguts Josef Salomon ein und der mit wesentlichen Teilen der Organisation betraute Bbr. Lupus klärte letzte Details. Während draußen heidnische Truppen in Form eines Krampuslaufs ihr Unwesen trieben, stimmten sich die Bundesbrüder im wohlig warmen Weinkeller auf die Jagd ein. Und sie wurden von der Hausherrin wortreich durch eine umfassende Degustationsfolge der – von ihrem Gatten gekelterten – Weine geführt. Bio, veganer, spontanvergorener, lieblicher Grüne Veltliner? Die durchwegs unkonventionelle önologische Versuchsanordnung erfüllte erst einige Weinkenner mit Skepsis. Spätestens die Weine aus den Jahrgängen um die Jahrtausendwende sorgten aber schließlich doch für Wohlwollen.
Am nächsten Morgen versammelte Bbr. Jagdleiter die gut ausgeschlafene Jägerschaft, um nach einer umfassenden Einweisung die Stände zu beziehen. Besonders hervorzuheben war das Engagement von Neofuchs Amarok in seinem Debut als Treiber. Ein wichtiger Beitrag dazu, dass eine respektable Strecke gelegt werden konnte. Ein ganz besonderes Weidmannsheil galt Bbr. Dante, dem die Ehre zuteil wurde, zum Damwildjäger geschlagen zu werden. Bbr. Jagdleiter hob das besonders Verantwortungs- und Sicherheitsbewusstsein der Jagdteilnehmer sowie die hervorragende Leistung aller Schützen hervor.
Den jagdstudentischen Abschluss bildete die Kneipe im Keller von Bbr. Jagdleiter, der uns mit seiner Familie bewirtete. Beim Ausbau seiner Weine beschreitet dieser übrigens traditionellere Wege als der Weinhauer des Vorabends und wurde als commentmäßiger Stoff sehr goutiert.
Die von Bbr. Colloquium geschlagene Kneipe brachte dafür Traditions-Innovationen. Der bereits erwähnte Treiber und Rezeptionskandidat Bbr. Amarok hatte im Zuge seiner Studien auch Marburg seine Alma Mater genannt. Das motivierte Fuchsmajor Maponos, nach einem Exkurs zur Marburger Studentenjagd, zu einer Erweiterung des Rezeptionsritus im Sinne der alt-studentischen Deposition. Das Inoffizium ging nach einer kurzen Revolte der Fuchsia, einigen ohrwurmverdächtigen Lied-Neuschöpfungen und Machtwechseln am Präsidium schließlich in eine versöhnlich-gemütliche Fidulität über. Ein perfekter Abschluss, ganz im Geiste der Symbiose jagdlichen und couleurstudentischen Brauchtums, wie es bei St. Hubertus gelebt wird.
Autor: Tux